„Blutspendern bin ich unendlich dankbar“

06.09.2018

Susanne von Rabenau

Durch das Schicksal der eigenen Familie wurde Mehmet Dalkilinc aus Bargteheide selbst zum Lebensretter.

Jeder Blutspender hat eine ganz persönliche Motivation, die ihn dazu bewegt, zum ersten, zum 25., oder vielleicht sogar zum 150. Mal in seinem Leben mit der Spende von einem halben Liter Blut anderen Menschen zu helfen. Menschen, die der Spender persönlich nie kennen lernen wird, denn die Empfänger der Blutpräparate bleiben für ihn anonym.

Eine ganz besondere Geschichte steht hinter dem 10. DRK-Blutspendejubiläum von Mehmet Dalkilinc, das er vor Kurzem in Bargteheide (Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein) feiern konnte. Denn zum Blutspenden kam der 33-Jährige durch einen schweren Schicksalsschlag in seiner eigenen Familie: Ende 2015 erkrankte Dalkilincs Ehefrau Havva Nur, damals gerade 30 Jahre alt und im 5. Monat schwanger, an Blutkrebs. Mehmet Dalkilinc erinnert sich genau daran, wie ihm durch die Diagnose der Boden unter den Füßen weggerissen wurde: „Unsere Heile Welt war plötzlich kaputt“, beschreibt er die Gefühle, die er und seine Familie durchlebten.

Nach einer Stammzelltransplantation – Havva Nurs Bruder konnte die dringend notwendige Stammzellspende leisten - begann noch während ihrer Schwangerschaft Havva Nurs Chemotherapie. Doch ihre Blutwerte wurden zunächst schlechter. „Als meine Frau damals die erste Bluttransfusion erhielt, war ich dem Spender unendlich dankbar und schämte mich dafür, selbst noch nie eine Blutspende geleistet zu haben“, berichtet Mehmet Dalkilinc. In diesem Moment sei ihm „ein Licht aufgegangen“. Doch Havva Nur bekam hohes Fieber, wurde auf die Intensivstation des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) eingeliefert. Sowohl sie selbst, als auch ihr ungeborenes Kind hatten eine Blutvergiftung erlitten. Im 7. Schwangerschaftsmonat musste das Baby geholt werden. Die Entbindung verlief mit vielen Komplikationen, der neugeborene Sohn Eray musste sofort nach seiner Geburt transfundiert werden und die ersten dreieinhalb Monate seines Lebens im Krankenhaus verbringen.

Mehmet Dalkilinc leistete am Tag nachdem seine Frau die erste Bluttransfusion bekommen hatte noch im UKE seine erste Blutspende. Diese schwierige Zeit habe ihm deutlich gemacht, wie wichtig es sei, mit so einfachen Mitteln Leben zu retten. Anderen Menschen helfen zu wollen sei seither für ihn eine Berufung. Viel Zeit und Herzblut steckt er außerdem in seine ehrenamtliche Arbeit im Bereich Stammzellspende und in die Organisation von Typisierungsaktionen, vorwiegend in türkischen Communities in Schleswig-Holstein. „Gerade in den türkischen Gemeinden möchte ich Aufklärungsarbeit zu den Themen Stammzell- und Blutspende leisten, denn die Spendebereitschaft ist hier leider geringer“. Drei Ausweise sollte jeder Mensch haben, findet Dalkilinc: Den des Stammzellspenders, des Blutspenders und des Organspenders.

Mehmet Dalkilinc und seine Familie geben durch ihren ehrenamtlichen Einsatz viel von dem zurück, was sie in der schwierigsten Zeit ihres Lebens von anderen erhalten haben. Havva Nur, Söhnchen Eray und dessen großer Schwester Ilaysu geht es heute sehr gut.

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