Ein emotionaler Moment: Ein Patient trifft seinen Stammzellspender.

13.03.2018

Susanne von Rabenau

Der Förderverein für Knochenmarktransplantation in Hamburg e. V. leistet seit über 20 Jahren wertvolle Hilfe für Patienten. Ein Patient erzählt seine persönliche Geschichte, von der Diagnose Knochenmarkkrebs über den schweren Heilungsweg bis hin zum Treffen mit seinem Stammzellspender.

Kai-Uwe Parsons-Galka hat selbst erfahren, was eine Knochenmarktransplantation bedeutet. Bis vor fünf Jahren lebte und arbeitete der heute 53-Jährige bereits seit mehreren Jahren gemeinsam mit seiner Frau auf den Philippinen, als er plötzlich merkte, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Seine Kräfte ließen nach, zum Fahrradfahren oder Treppensteigen war er zu schwach. Seine Unterrichtsstunden in „Deutsch als Fremdsprache“, für die sich der Sozialpädagoge am Goethe-Institut in Manila hatte schulen lassen, konnte er nur noch im Sitzen abhalten.

Wegen der besseren medizinischen Versorgungsmöglichkeiten in Deutschland nahm er den 14-stündigen Flug in seine Heimatstadt Hamburg auf sich. Nach den ersten Untersuchungen im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) erhielt Parsons-Galka dann die Diagnose, die sein Leben von einem Tag auf den anderen verändern sollte. Multiples Myelom: Knochenmarkkrebs.

Über die Deutsche Stammzellspenderdatei des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost, die seit 1990 aktiv bei der Werbung von Stammzellspendern ist, fand sich innerhalb weniger Wochen ein geeigneter Stammzellspender für Kai-Uwe Parsons-Galka. Im September 2013 fand die Transplantation im UKE statt. Alle sechs Monate werden nun die Blutwerte des Hamburgers kontrolliert, sie seien derzeit „hervorragend bis perfekt“ zitiert Parsons-Galka seinen behandelnden Onkologen.

Im Frühjahr 2014, kurze Zeit nach seiner Transplantation, suchte Kai-Uwe Parsons-Galka den persönlichen Kontakt zum Förderverein für Knochenmarktransplantation in Hamburg e. V. An einem Infostand im Rahmen des 2. Hamburger Patientenkongresses „Leben nach Stammzelltransplantation“ führte er Gespräche mit den engagierten Ehrenamtlern – für ihn der Beginn seines eigenen Engagements für den Verein. Neben der Teilnahme an den einmal monatlich stattfindenden Vorstandssitzungen hat Parsons-Galka mittlerweile zahlreiche Aufgaben in der Vereinsarbeit übernommen, wie zum Beispiel die Pflege der Website und der vereinseigenen Social Media Accounts. Besondere Bedeutung hat für ihn aber in jedem Fall der persönliche Kontakt zu den Patienten auf der Station für Knochenmarktransplantation des UKE. Alle sechs Wochen finden dort Patienteninformationsnachmittage für Patienten und Angehörige statt. Neben anderen Mitgliedern des Fördervereins gibt auch Parsons-Galka dort seine eigenen Erfahrungen als Transplantierter weiter. Außerdem gehört er zu der Gruppe von Ehrenamtlichen (die Sherpa), die regelmäßig Patientenbesuche auf der Station durchführen, für die sie bei Bedarf auf Abruf bereit stehen. Darüber hinaus leistet der Förderverein unter anderem finanzielle Hilfe für Patienten in sozialer Notlage, finanziert die Musik- und Kunsttherapie für Patienten mit, ebenso wie die Umbauten und Ausstattung der Behandlungs- und Patientenräume auf der KMT Station.

Für Kai-Uwe Parsons-Galka hat sich vieles im Leben geändert seit seiner Erkrankung und seiner eigenen Kochenmarktransplantation. Früher war er selber aktiver Blutspender, wollte damals schon mit seinem Einsatz anderen Menschen helfen. Heute hält er zu seinem eigenen Stammzellspender und dessen Familie regelmäßigen Kontakt. „Ich hätte mir keinen besseren Spender wünschen können“, sagt er über seinen Lebensretter, den er 2015 im Rahmen einer Ehrungsveranstaltung für Spender und der Jubiläumsfeier zum 25. Geburtstag der Deutschen Stammzellspenderdatei kennengelernt hatte. „Ich bin nicht mehr der Gleiche, der ich vor der Transplantation war. Ich bin dankbar für die schönen Momente im Leben und nehme vieles bewusster wahr als früher“. Seinem ehrenamtlichen Engagement für den Förderverein widmet er heute viel Zeit, leistet außerdem noch Nachbarschaftshilfe in seinem privaten Umfeld. „In meinem Leben hat es seit meiner Erkrankung eine große Umstellung gegeben. Aber ich möchte all das nicht mehr aufgeben. Anderen zu helfen und zu unterstützen sehe ich jetzt als meine Berufung“.

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